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Von Michael Schmitz
und Bodo Goeke (Fotos)
Brilon. Die
erste Frage beantwortet Elke Willecke-Wagner, bevor ihre Gästesie gestellt
haben: „Ja, sie spucken!”. Sie - das sind sechs Alpakas, die vor ihrem
Gasthof Waldesruh in Bontkirchen weiden.
Die ältere Dame
unten im Dorf ist sehr nett und weist den Ortsunkundigen, die nach dem
Gasthof Waldesruh fragen, bereitwillig den Weg. An der Kirche vorbei und
rechts halten und dann immer der Straße in den Wald hinein folgen. „Aber
aufpassen”, meint sie, „die Straße ist sehr schmal und das liegt mitten in
der Pampa.” Womit die Exoten von Elke Willecke-Wagner fast an der richtigen
Stelle ständen. Die so genannten Neuweltkameliden, zu denen die Alpakas und
Lamas gehören, stammen aus dem südamerikanischen Hochland und wer sie im
Hochsauerland sehen will, muss von Bontkirchen ein gutes Stück weit in die
Einöde fahren oder laufen, um zum Gasthof Waldesruh zu gelangen.

Da guckst Du!
Alpakas haben ihren ganz eigenen Charme, meint Ralf Wagner.
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Ihre Wolle
zählt zu den wertvollsten Naturfasern
Mit dem Futtereimer
und Rufen lockt Elke Willecke- Wagner die genügsamen Gäste an den Zaun.
„Alles Mädels”, sagt sie. Wie es sich für Neulinge in ungewohnter Umgebung
gehört, spitzen die Stuten erst einmal die puscheligen Ohren und wiegen
misstrauisch ihre langen, biegsamen Hälse: fremde Leute am Gatter! Doch der
Fresstrieb ist stärker als alle Vorsicht: Zögerlich, dann aber immer
schneller verfallen sie in ihren charakteristischen hoppelnden Laufstil.
Weil Alpakas Passgänger sind, sieht das sehr lustig aus (der Mensch müsste
entsprechend linkes Bein und linken Arm bzw. rechtes Bein und rechten Arm
beim Gehen gleichzeitig nach vorne schwingen – versuchen Sie das mal!).

Alpakas sind
genügsam: Elke Willecke-Wagner mit ihren Schützlingen, die auf einem
Kletterfelsen Ausschau halten.
„Alpakas sind auf
dem Vormarsch”, sagt Hartwig Kraft von Wedel, der im sächsischen Remsa als
erster Alpakazüchter im Haupterwerb eine Zucht mit derzeit 150 Tieren
versorgt. „Die Tiere sind hübsch und intelligent und besitzen einen Charme,
dem viele verfallen.” Doch deshalb hat sich Kraft nicht auf Alpakazucht
verlegt. Für ihn sind sie auch eine lohnende wirtschaftliche Investition:
„Alpakas sind die Aristokraten unter den Nutztieren”, meint er. Ihre Wolle
zählt zu den wertvollsten Naturfasern, sie sind extrem dünn. Für ein Kilo
Vlies von Vicunjas, der Wildform der Alpakas, werden 500 US-Dollar gezahlt.
„Das ist viel Holz für ein Kilo Rohwolle”, sagt Hartwig Kraft. Der Krefelder
hat sich im sächsischen Remsa allerdings auf Zucht verlegt. Ein gewöhnliches
Tier ist nicht unter 3000 Euro zu haben, meint er. Gute Zuchtstuten werden
ab 5000 Euro verkauft, und für „Glamourgirl”, eine trächtige Suri-Stute aus
der Kraft’schen Zucht, werden auch 14 000 Euro aufgerufen. |
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Von solchen
Dimensionen ahnen Luana, Syna, Rose, Grace, Liddi und das süße, verfresssene
kleine Alpaka- Baby Noel in Bontkirchen nichts. Auch ihre Besitzer wollen
von Anfangsinvestition, Return on Investment und Zuchtqualitäten von
Hengsten und Stuten erst einmal nichts wissen. Elke Willecke-Willecke-Wagner
und ihr Mann Ralf Wagner halten die Exoten aus reiner Liebhaberei und wenn
es den ein oder anderen Gast hoch zu ihrer Wirtschaft in der „Pampa” über
Bontkirchen triebe, auch gut. Einige Neugierige aus dem Ort („Die sagen, wir
haben sie nicht alle”) waren schon da. Neben der Frage, die Elke
Willecke-Wagner sofort beantwortet („Sie spucken nur in seltensten Fällen
gegen Menschen”), kam noch eine andere auf: „KannmandieAlpakas auch essen?”
Noel, Grace und ihre Kolleginnen wären vermutlich nicht begeistert. Die
Wirtsleute auch nicht. Man könne Alpakafleisch zwar essen, „aber das haben
wir nicht vor”, sagt Elke Willecke-Wagner. Was bei den Kilopreisen auch nur
zu verständlich ist.
INFO
Mehr als 20
Farben
_Alpakas
zählen wie Lamas zu den Neu-Weltkameliden, den höckerlosen Kamelen
Südamerikas. Altweltkameliden sind Trampeltier und Dromedar.
_Es
gibt zwei Arten: das Huacaya- und das langhaarige Suri-Alpaka. Die
Schwielensohler sind kleiner als Lamas, werden ca. 55 bis 65 Kilo schwer und
bis zu 20 Jahre alt.
_Sein
dichtes Fell mit feinen Fasern macht das Alpaka als landwirtschaftliches
Nutztier interessant. Es produziert 2 bis 5 Kilo Vlies pro Jahr. Das
Edelhaar wird in Schals, Pullover, Decken und Stoffen verarbeitet. Eine
zentrale Sammelstelle gibt es in Kaufbeuren.
_Es
gibt mehr als 20 echte Farben und über 200 Farbschattierungen, darunter
blaugrau, rosagrau, lavendel- und apricotfarben.
_Alpakas,
an das raue Klima der Hochanden gewöhnt, gelten als sehr robust und genügsam
und können ganzjährig draußen gehalten werden. Sie vertragen allerdings
allzu große Hitze und Schwüle nicht. „Deshalb muss einmal im Jahr die Wolle
runter”, sagt Elke Willecke-Wagner. |